Rom 1997

Sebastian Grab, Daniel Schneider
Es begab sich zu einer Zeit, da Jürgen Janke Statthalter zu Altenkirchen war. Da ein Gebot des Kaisers Brauneck ausging, dass die Jahrgangsstufe 11 auf Studienfahrt gehe. Ein jeder zu den Stätten des klassischen Altertums, auf dass er belehrt werde. Und so zogen denn die einen nach Griechenland, während die anderen die ewige Stadt als Ziel wählten.

Die Sonne ging im Westen unter und steckte den Himmel in einen großen Brand. Wir bestiegen unseren Omnibus, jeder suchte sich sein ganz persönliches Plätzchen und machte es sich gemütlich. Als wir unsere Heimat verließen, zeigten sich schon die ersten Sterne am Firmament. Wir diskutierten noch einige Stunden über die Vergangenheit, das Jetzt und die Zukunft bzw. mussten uns Vorträge über Bergwandern anhören. Dann legten wir uns zufrieden und voller Erwartungen zur Ruhe...

"Morgen Kindaarrs!!" Dieser Schlachtruf riss uns jäh aus unserem Schlaf. Was war geschehen? In der neutralen Schweiz hatten wir einen neuen Busfahrer erhalten: "Ljupischar - für die das zu schwer ist, können auch sagen Juppi. Ich bin de' Skorpion, Kindaarrs, was seit's ihr? Bitte, tut's mir einen Gefallen, werft's die Müll in die Kübel!"

Damit nahm das Drama seinen Lauf. Vorbei war die gemütliche Fahrt, denn zu diesem personifiziertem Schwachsinn gesellten sich eine große Zahl technischer Defekte unseres "Busses". Fassen wir die Lage kurz zusammen: wir saßen dichtgedrängt, wie in einem U-Boot, ein Steuermann, der völlig unqualifiziert war, dazu ein Bus, der vollkommen antik und reif für die Abmusterung war. Entgegen allen Erwartungen erreichten wir dennoch Rom.

Die Unterkunft war soweit in Ordnung. Ohne die kompetente Führung von Kerstin und Martin Hamdorf wären wir in Rom wohl völlig verloren gewesen, denn Juppi wollte mit uns "auf den Puutz hauen, dann machen wir's französisch". Doch Hamdorfs sorgten für geordnete Verhältnisse und beschützten uns bravourös vor dem "verruckten" Busfahrer. Trotz allen Irrungen und Wirrungen vergaßen wir nicht unsere Mission zu erfüllen, am Tage bildeten wir uns kulturell und wandelten durch die Stätten jahrtausendealter Zivilisation. Durch das Kolosseum, über das Forum Romanum hinauf zum Kapitol führte unsere Kul-Tour. Hamdorfs waren sehr um uns bemüht, daher mussten wir bei jeder antiken Sehenswürdigkeit auch ein Referat halten. Die Hadrianssäule, den Vatikan, die Engelsburg sowie das Augustus-Mausoleum und das Pantheon waren sehr beeindruckend, uns umwehrte trotz der mediterranen Temperaturen der Eishauch der Geschichte. Ein Abklang großer menschlicher Baukunst und Schaffenskraft durchdrang unsere Seele. Nachdem wir gespeist hatten, verarbeiteten wir die Eindrücke des Tages bei Vino, Splügen und Peroni (Bier) und noch mehr Vino, Splügen und Peroni.

Währenddessen reifte die Idee, Juppis Quartier mit lustigen, kleinen, gelben Zettelchen zu verschönern und unserer Sozialkritik freien Lauf zu lassen. Trotz seines Morgenappells "Kindaarrs, wer schreibt's denn so was? Und dann noch so eine schlechte Deutsch. Wenn ich den erwische, der leckt mir die Bus mit die Zunge!" fuhr er uns nach Pompeji, wo wir wieder an den Brüsten der Antike saugten. Danach chauffierte uns der "liebe" Juppi direkt (nach zwei Stunden) zum "blütenweißen" Strand in der neapolitanischen Bucht, wo uns die Einheimischen "herzlich" empfingen (scheinbar hatte man das "D" auf unserem Bus entdeckt). Auf der Rückreise wurden wir mit einer Vielzahl neuer Eindrücke überhäuft, Juppi hatte sich einfach nicht den Stadtplan angesehen und fuhr auf's Geratewohl in Rom und um Rom und um Rom herum. Irgendwie haben wir dann auch dies überstanden, obwohl wir es von unserer Tagestour nach Tivoli zur Villa d'Este und Villa Hadriana nicht unbedingt gewöhnt waren, stundenlang nach unserer Unterkunft zu suchen.

Ein Tag folgte auf den nächsten bis es auf einmal hieß, von der ewigen Stadt Abschied zu nehmen. Schweren Herzens stieg der ganze Verein in seinen Transporter. "Kindaarrs, normal man braucht 20 Stunden, ich mach' euch des in 16!" sprach's und fuhr los. Die Odyssee, die uns nun bevorstand, entbehrt jeder Beschreibung. Alles begann damit, dass unser Boot leckte. Dieser kleine technische Defekt führte dazu, dass wir jede Stunde eine Zwangspause einlegen mussten, um Kühlwasser nachzufüllen, was unsere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit stark herabsetzte. Doch dies war nur der Anfang vom Ende. Mitten auf der italienischen Autobahn führte ein Motorschaden zu einer sich ständig steigernden Rauchentwicklung, was wiederum einige Damen dazu veranlasste, in Panik auszubrechen. "Kindaarrs, der Motor verbrennt die Diesel, und wenn das Diesel verbrennt, dann gibt's de' Rauch. Kein Grund zu Panik." Die Fahrt wurde fortgesetzt, irgendwann gelang es trotz der defekten Klimaanlage den meisten in einen barmherzigen Schlaf des Vergessens zu fallen. Ein kühler Luftzug entriss uns aus unseren Träumen, wir öffneten verschlafen die Augen und sahen zu unserer linken nichts als Schnee und Eis, zu unserer rechten einen gähnenden Abgrund, dessen Ende nicht auszumachen war. Was war geschehen? Ein Tunnel war gesperrt und unser Motor hatte, zur allgemeinen Überraschung mal wieder einen Defekt. Irgendwie quälten wir unser Gefährt dann doch noch über die Alpen. "Macht's gut Kindaarrs, euer James Bond!" waren die letzten Worte des Steuermanns, der im Schwabenländle endlich von uns ging. Nach über 22 Stunden nicht enden wollender Irrfahrt liefen wir im heimatlichen Hafen ein. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals herzlich bei Frau und Herrn Hamdorf für diese unvergessliche Fahrt bekanken.