Lehrer, die uns geärgert haben

Frank Schmitz, David Zöllner
Liebe Mitschülerinnen, liebe Mitschüler, diejenigen, die unter dieser Unterschrift im Folgenden eine Ansammlung von verbalen Abqualifizierungen oder persönlichen Angriffen vermuteten und diejenigen, die schon Papier und Stift zurecht gelegt haben, um dagegen Protest einzulegen, müssen wir enttäuschen.

Für viele ist es nun an der Zeit die Schule zu verlassen, doch das gilt nur für die Schüler, jedoch nicht für die Lehrer: die bleiben vielen von Euch noch erhalten. Deshalb ist es an der Zeit, denn wir wissen, dass es nicht immer leicht mit dem Lehrkörper ist, Euch den Stand der Dinge aus unserer Sicht zu schildern, denn wir sind immerhin lang genug an dieser Schule gewesen, um uns eine relativ objektive Perspektive anmaßen zu können. Wir haben sie ja teilweise gehasst, unsere Lehrer, wegen drei Seiten Vokabelnlernen, wegen Punktabzug bei vergessenem Datum im Arbeitsheft, wegen dreimaligem Auffordern zum Klassesäubern, wegen Krisendiskussionen/Standpauken; wegen, wegen, wegen,... Die entscheidende Frage hierbei ist aber: war das alles denn soo ungerecht, soo gemein, ja soo falsch?! Nun, um auf diese Frage eine uns momentan endgültig erscheinende Antwort zu finden, bedurfte es uns einer der Infantilität entratenden Einsicht. Wir müssen, obgleich es uns schwer fällt, eingestehen, dass uns die Lehrer, die uns mit obengenannten Maßnahmen "quälten", uns nicht unbedingt bestrafen wollten, sondern uns lediglich nach und nach "ordentliche" Verhaltensweisen und -muster beibrachten, die wir damals, pubertär verachtend, ablehnten, heute aber zu würdigen und schätzen beginnen. Als Beispiele lassen sich unter anderem Diskussionen anführen, die unakzeptable Vorfälle in Klassen- und Schulgemeinschaft zum kontrovers debattierten Thema hatten, Einzelgespräche über Gesagtes und dabei Missverstandenes, rigoroses aber argumentatives Beharren auf der Meinung seitens des Lehrkörpers, ja sogar schlichtes Bestimmen der Sitzordnung. Lernt man nicht gerade bei solchen Gesprächen, sich selbst und den Diskussionspartner zu respektieren, Fehler beider Seiten zu erkennen und zuzugeben?! Ist nicht der Lerngrad proportional zur Schwere des Fehlers- wenn man sich damit auseinandersetzt?! Ist es nicht oft wichtig, sich von außen zu betrachten, neue Perspektiven und ihre verletzbaren Stellen zu erfahren?! Muss man nicht frühestmöglich zur Kenntnis nehmen, dass nur selten die eigene Meinung die richtige ist und dennoch zur Reflexion darüber angeregt werden?! Sollte man nicht irgendwann einsehen, dass die Schulzeit "Schulzeit" heißt, weil man sich in ihr vorrangig mit Schule beschäftigen (!) und sie nicht mit unterrichtsfernen, zusätzlich lauten und für die Reaktion des Lehrers verantwortlichen Gesprächen mit Nachbarn verschwenden (!) sollte?! An dieser Stelle möchten wir schon einmal vorwegschicken, dass wir bei unseren Ausführungen an einige spezielle Lehrerinnen dachten, die aber erst im weiteren Verlauf dieses Textes mit Namen erwähnt werden sollen. Wir möchten lediglich ermutigen, einige Verhaltensweisen der Lehrer mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Man ist in seinem jugendlichen und unerfahrenem Leben, das von einem nicht nur durch die regionale Eingeschränktheit, sondern auch durch den zunächst geringen und nicht selten daraus folgend relativ undurchlässigen Horizont geprägt ist, sehr unerfahren. Man ist gerade im Alter ab zwölf bestrebt, eigene Wege zu finden, nicht selten unterliegt man dabei der Gefahr, dieses Bestreben als Legitimation für Intoleranz und Trotz zu missbrauchen. Das versucht der Lehrkörper zu ändern, doch die Resonanzfläche ist bei einem jungen Schüler wie bereits gesagt relativ gering. Vielleicht mag es gerade daran liegen, dass wir es überhaupt für nötig befinden einen solchen Artikel zu schreiben. Es kann auch gut sein, dass dieses, unser Denken, von uns selber in einigen Jahren wieder als für verwerfungswürdig gehalten wird, wir unsere Meinung erneut ändern, unser Horizont erweitert wird, wodurch auch immer.

Es gilt, die Unterrichtsmethoden vorsichtig zu differenzieren; was macht Spaß, was macht keinen Spaß, wo lerne ich nichts, wo lerne ich was. Das fällt bei dem Überangebot an Lehrern sicher etwas schwer, vor allem zu erkennen, dass der lustigste Unterricht manchmal auch nur lustig sein kann, der lerneffektivste aber mit dem größten Arbeitsaufwand verbunden ist- sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Machen sich die Lehrer noch mehr Arbeit, wird dieser Unterricht auch lustig. Nur wird diese "Mehr"-Arbeit, wenn sie denn erbracht wird, von den meisten Schülern als selbstverständlich genommen. Der Lehrer hat aber nun mal auch Tage, an denen er genug belastet ist und sich deshalb die "Mehr"-Arbeit nicht aufhalst; das wird dann gleich mit, wenn auch vielleicht unterbewusstem, Missmut seitens der Schüler kommentiert. Folglich muss man sich nicht wundern, wenn der Lehrer aufgrund solcher Reaktionen die Lust verlieren könnte. Man erkennt sehr schnell den Teufelskreis, in dem sich Lehrer und Schüler bewegen und es somit zu unnötigen Spannungen zwischen beiden Parteien kommt. Schon unsere Wortwahl "Parteien" lässt auf eine Disharmonie schließen, die unserem Unterbewusstsein entsprang. Der Grund, warum ein Lehrer unterrichtet ist nicht, die Schüler zu belustigen, oder sich seine Zeit zu vertreiben, sondern das, was er zu geben hat, auch weiter zu vermitteln und dabei das Lernziel möglichst im Dialog mit den Schülern zu erarbeiten. Das, und nicht etwa nur sein Humor, sollte gewürdigt werden. An dieser Stelle sollte darauf hingewiesen werden, dass wir nur einen kleinen Teil unserer "verfügbaren" Lehrer erlebt haben, und es deshalb sicherlich Lehrer gibt, die es verdient hätten, hier positiv genannt zu werden, die wir aber nicht im Unterricht kennen lernten, die aber sich trotzdem angesprochen fühlen dürfen.

Zu den Lehrern, die uns unterrichteten und die wir anfangs beschrieben haben, gehören in ganz besonderer Weise (alphabetisch, aber nicht in geordneter Reihenfolge) Georg Hillen, Jürgen Janke, Christa Kuon-Rehm, Ingeborg Matron, Marianne Sassenrath-Bravos, Michael Wegener, Andreas Schmidt, Rainer Zander, ... Diese Liste ist sicher nicht vollständig, nicht Erwähnte dürfen sich aber dennoch angesprochen fühlen.

Es war uns wichtig, Lehrern eine Resonanz ihrer Arbeit zu geben, vor allem aber dessen, was über diese hinaus geht. Dies muss zu einer Zeit geschehen, in der wir uns aufgrund der beendeten Schullaufbahn nicht der so genannten Schleimerei bezichtigen lassen müssen.