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| Geschichte eines Jahrgangs Peter Müller, Daniel Schneider | Der evolutionäre Prozeß Ein "Jahrgang", was ist das überhaupt? Eigentlich nichts anderes als eine völlig zufälllige und ungerichtete Ansammlung von menschlichen Wesen (menschlichen Wesen?), die einzig aufgrund des Geburtsjahres zusammengewürfelt wurden und nun gemeinsam in dieser Anstalt überleben müssen. Dabei unterliegen sie der natürlichen Zuchtwahl ("Survival of the fittest"), denn sie sind vielen abiotischen und biotischen Faktoren (Lehrern) ausgesetzt. Die Geschichte des Klassenkampfes Das erste geschichtlich erwähnte Ereignis fand am Donnerstag, den 03.09.1992 vor dem Fachklassentrakt des Westerwald-Gymnasiums statt. Die Kulisse wurde beherrscht von der düsteren Atmosphäre des Mittelalters, die noch durch Nebelschwaden unterstützt wurde. Wie zur Zeit der Inquisition trat einer der Bischöfe (Comes) vor; es verbreitete sich eine bedrückte Stimmung. Dazu Auszüge aus den Gedanken zweier Verdammter: Scheiße! Mit wem komme ich jetzt in eine Klasse? Welche Lehrer erwarten mich? Wie sehen die nächsten Jahre aus? Der erste geschichtliche Akt bestand darin, dass aus der Masse der Schüler drei Klassen aufgestellt wurden, deren Obhut drei Edelmännern anvertraut wurde. So entstanden die fantastischen drei, bestehend aus der 7/1 unter der Leitung von Sir Bodo Hasenjäger, der 7/2 unter dem Chaos-Regiment von Thomas Heck und der 7/3 unter dem Kommando von Marquis Rainer Zander. So vergingen die ersten Jahre. Isoliert von den anderen Klassen, unterdrückt von den älteren Jahrgängen entwickelte jede Gruppe für sich eine gewisse Eigendynamik. So weigerte sich die Hasenjäger-Klasse beharrlich mit der Heck-Klasse auf eine gemeinsame Fahrt zu gehen, da sie in einer Blutfehde lagen in unüberbrückbaren Gegensätzen, die im gemeinsamen Französischunterricht begründet lagen. Unbekümmert von den Wirren der Zeit entwickelte sich die Zander-Klasse hinter ihrem eisernen Vorhang (autonomer Französischunterricht). Hier funktionierten die Methoden der Unterdrückung besser, da sie vollständig von äußeren Einflüssen abgeschottet war. Dies alles führte dazu, dass sich die Beziehungen der einzelnen Klassen merklich abkühlten, jede ging ihren eigenen Weg. Es folgte eine Art "kalter Krieg" (der nicht im Winter stattfand). Demgegenüber hatten Hasenjäger und Heck eine Vielzahl von kleinen regionalen Aufständen niederzuschlagen (mit Mathematik-, Deutsch- und Englischarbeiten), die aber dennoch den Prozess der Klassenkämpfe voranbrachten und das gemeinsame Ziel der klassenlosen Gesellschaft ein Stück näher brachten. Dabei entstanden einige Legenden um die Märtyrer (Abgänger) dieser Zeit. Der nächste Schritt zur Erreichung dieses Ziels war die Annäherung der beiden Klassen an die Zander-Bande, ermöglicht durch den Fall des Eisernen Vorhangs (Latein fakultativ). Dadurch wurden erste vorsichtige diplomatische Beziehungen aufgebaut. Die nun einsetzende Entspannungspolitik machte sogar Jahrgangsstufenfeten möglich, die die Menschen näher zusammenrücken ließen. Nun begann eine erste Vermischung der Klassen (Pärchen, Freundschaften und Trinkgemeinschaften). Der Prozess hin zum schulischen Sozialismus wurde verstärkt durch eine Periode der verstärkten Kooperation, die durch ein Aufbrechen der alten, festgefahrenen Strukturen in der Klassenstufe 11 ermöglicht wurden. Zwar bestanden die Klassen nach wie vor weiter, doch existierte nun in einigen Fächern ein gemeinsamer Unterricht. Dennoch gab es einige konservative Elemente, die sich unter der Parole "Lieber tot als 11/2!" zusammenfanden. Auch sie wurden aber schließlich vom neuen System überzeugt. Das große gemeinsame Ziel einer klassenlosen Gesellschaft wurde nach langem, beschwerlichen Kampfe mit Einführung des Kurssystems erlangt. Das goldene Zeitalter war erreicht. Doch wie immer bei solchen bedeutenden gesellschaftlichen Umschwüngen, war auch dieser mit immensen Problemen behaftet. Der Weg zum Abitur (oder: der Weg ist das Ziel) Aus der Asche des Vergangenen entstand nun ein neuer Schüler, der mit seinen neugewonnenen Freiheiten und Pflichten absolut nichts anzufangen wusste. Am Anfang war das Chaos... Doch wie durch ein Wunder schaffte es der Jahrgang nach einiger Zeit aus eigener Kraft, sich zu organisieren. In dieser Zeit herrschte selten Frieden unter den Schülern, am wenigsten in den Vollversammlungen, wo teilweise alles drunter und drüber ging und in denen um jede noch so unbedeutende Kleinigkeit heiß diskutiert wurde. Zum Glück waren diese oft verbittert geführten Debatten am Abend wieder vergessen; denn eines konnte dieser Jahrgang: Feiern. Es waren sich nicht immer alle einig, doch alle haben einig gefeiert. Eines Tages standen die über 60 Genossen vor der Aufgabe, Ausschüsse zu bilden, um das Varieté zu organisieren. Was am Anfang wie ein hoffnungsloses Unternehmen anmutete, wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten mit viel Glanz und Gloria abgeschlossen. Wenn es um Brot und Spiele ging, waren wir eine große Gemeinschaft. Es bewies sich, dass wir eine große Partygesellschaft waren, die im Notfall auch zusammen arbeiten konnte. Dann kam das Abitur. Auch wenn man als geistiger Einzelkämpfer zu dieser Reifeprüfung antrat, herrschte hier eine nie gekannte Geschlossenheit. Vorläufiger Schlusspunkt dieser Entwicklung war die Abi-Fahrt, auf der sich die Menschen noch näher kennenlernten. "Wir hatten viel Spaß, wir haben viel Spaß und wir werden wahrscheinlich noch viel Spaß haben, auch wenn es oft chaotisch zuging." Die Jahrgangsstufensprecher |
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