ABI 1999 - Ein Jahrgang wie jeder andere?

Guido Wienberg
In den letzten Wochen und Monaten, da sich unsere Schulzeit absehbar dem Ende neigte, habe ich mich oft gefragt, was es für mich bedeutet, ein Mitglied ausgerechnet dieses Abiturjahrganges zu sein. Ich gebe zu, daß mir dabei sehr unterschiedliche Gedanken durch den Kopf schossen. Ich erinnerte mich an frühere Erlebnisse, Klassenfahrten, Kurstreffen, Streitigkeiten zwischen Mitschülern und an die Aussagen unserer Lehrerinnen und Lehrer. Dabei wurde mir sehr schnell klar, daß wir zwar manchmal ein etwas chaotischer Haufen waren, aber auch, daß wir immer in der Lage waren, alle unsere Kräfte zu bündeln, wenn es wirklich darauf ankam. Natürlich ist es fast ausgeschlossen, daß mehr als 60 Leute mit unterschiedlichsten Einstellungen die besten Freunde werden, ohne daß es zu Reibereien kommt, aber dennoch waren wir alle bereit, uns rechtzeitig auf unsere Ziele zu besinnen und diese dann auch mit Nachdruck durchzusetzen. Es war uns oft möglich, die unterschiedlichen Ansichten zu einem guten Kompromiß zusammenzuführen, so daß letztlich eine große Mehrheit mit den getroffenen Entscheidungen einverstanden war.

Gerade diese Kompromißfähigkeit ist es, die ich allen Mitgliedern unseres Jahrganges sehr hoch anrechne und ohne die es uns sicher nicht möglich gewesen wäre, größere Veranstaltungen wie Jahrgangsstufenfeiern, eine Abi-Fahrt, die Abi-Zeitung oder ähnliches auf die Beine zu stellen. Natürlich gab es im Vorfeld immer Diskussionen; oft wurde es laut auf unseren Vollversammlungen im Forum, aber letztlich haben wir es doch immer geschafft, uns auf eine gemeinsame Linie zu einigen und diese nach außen hin zu vertreten. (Eine stolze Leistung, wenn man sich mal überlegt, daß das selbst unsere politischen Kräfte in Bonn und Berlin nur sehr selten schaffen!)

Neben der Kompromißbereitschaft ist aber noch etwas sehr wichtig und mußte in unserem Jahrgang glücklicherweise nicht kritisiert oder verbessert werden, sondern war in der Regel einfach vorhanden: die Hilfsbereitschaft der einzelnen Personen. Ich erinnere mich gerne an die Organisation vieler SV-Veranstaltungen zurück, die ohne die Hilfe unter anderem unseres Jahrganges sicher nur schwer zustande gekommen wären. Ich denke zum Beispiel an die Organisation des Aktionstages 1998, bei dem sich vor allem Schüler unserer Jahrgangsstufe als Workshopleiter und Helfer anboten und damit dem Tag zum Erfolg verhalfen. Aber nicht nur in der Schule war und ist diese Hilfsbereitschaft zu erkennen: In unserem Jahrgang gibt es fast auf allen Gebieten Menschen, die sich relativ gut auskennen und die man immer um Rat fragen kann, wenn man selber ein Problem hat und alleine nicht in der Lage ist, es zu lösen.

Besonders deutlich aber wurde diese Hilfsbereitschaft, wenn man sich wirklich mal nicht gut fühlte und dann plötzlich mehrere Jahrgangsmitglieder nachfragten, was denn los sei, und ob sie einem helfen könnten. Diesen Menschen möchte ich an dieser Stelle besonders danken: all denjenigen, die in der Lage waren, einen wieder aufzubauen, wenn man sich wirklich schlecht fühlte und die man noch nicht einmal um Hilfe bitten mußte. An Euch habe ich eine Bitte: Bleibt so, wie Ihr seid und versucht auch in Zukunft, Euren Mitmenschen so zu begegnen, wie Ihr das an unserer Schule getan habt.

Bevor ich diesen Artikel über unseren Abi-Jahrgang aber nun beende, möchte ich doch auch noch ein paar Worte an alle Mitglieder des Jahrgangs richten: Welchen Weg Ihr alle auch einschlagen werdet, ich wünsche Euch viel Erfolg und hoffe, daß Ihr alle Eure Ziele erreicht. Aber auch unseren Lehrern möchte ich danken, nämlich dafür, daß sie uns sehr viel Handlungsspielraum gelassen haben, und uns damit die Möglichkeit gaben, unsere Interessen und Neigungen zu vertiefen und uns zu selbständigen aber dennoch teamfähigen Menschen zu entwickeln.

Aus all diesen Gründen ist für mich der Abiturjahrgang 1999 kein Jahrgang wie jeder andere, sondern menschlich etwas ganz Besonderes und auch wenn wir uns oft nicht alle einig waren, so fühlte sich doch jeder dazu bereit, Mehrheits-entscheidungen zu akzeptieren und diese auch zu vertreten, wenn er selbst anderer Meinung war.

Für die gesamte doch eigentlich sehr schöne gemeinsame Zeit an dieser Schule möchte ich Euch danken und ich hoffe, daß wir uns auch in Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Also denkt bitte daran, David, Kevin oder mir Adressenverän-derungen mitzuteilen, wenn Ihr umzieht, so daß wir Euch weiterhin erreichen können. Ansonsten wünsche ich Euch allen viel Glück und einen guten Start ins Berufsleben.

Euer
Guido Wienberg